Frau Schuster

Kategorie: Frau Schuster sieht fern (Seite 2 von 2)

Depri in Konschtanz

Letzte Tage, der Tatort aus Konstanz. Sorry, Konschtanz heißt es natürlich. Diesmal hat der Drehbuchautor Stefan Dähnert ziemlich viel reingepackt: Ein neuer schweizer Kollege, der die Blum (wieder einmal) auf die Palme und dann doch zum sinnlichen Schmunzeln bringt. Perlmann in der Midlifecrisis, inkl. Knutscherei mit Studentin. Und die ist außerdem noch krebskrank. Damit hätten wir auch schon den Zuckerguss: Selbsthilfegruppe, Pharmaforschung und ein niedlicher Junge mit Leukämie.

Eine Menge Holz für 90 Minuten. Und darum bleibt jeder Handlungsstrang etwas oberflächlich. Eva Mattes hat ihre Rolle mittlerweile so verinnerlicht, dass sie nicht mehr spielt. Sie schwebt durch die Szenen und irgendwie macht es trotzdem Spaß ihr dabei zuzuschauen. Prinzipiell frage ich mich bei den Konstanzern immer, wie man zu zweit erfolgreich ermitteln kann, wenn man nicht miteinander redet…

Der Schweizer (Roland Koch) gibt zu Beginn den undurchschaubaren Polizist mit dunkler Vergangenheit. Dass er sich schließlich aber gegen seine alten Kumpanen aus Geheimdienst und Pharmaindustrie stellt und sich auf Klara Blums Seite schlägt – Überraschungen sehen anders aus.

Sebastian Bezzel gibt den Perlmann routiniert. Sein Sturz in die dunkle Zone einer Midlifecrisis wirkt aber schon etwas konstruiert. Zuerst die Nörgelei über die Vorhersehbarkeit seines (Beamten-)Lebens, dann die Romanze mit der ebenso willigen wie abgedrehten Mia (Natalia Rudziewicz). Doch ach, das Herzchen gehört nicht nur zu den Verdächtigen, sie ist auch leukämiekrank. Echte Emotion kommt auch dann nicht rüber, als Perlmann die blutende Kleine im weißen Engelskleidchen (sie, nicht er) ins Krankenhaus trägt.  Mir schießt beim Anblick ihrer Pulswärmer eher durch den Kopf, ob sie nicht auch noch einen verunglückten Selbstmordversuch draufpacken wollen. Aber nein, Pulswärmer und Strumpfhose waren nur Test für die Continuity – leider nicht bestanden.

Was hat uns dieser Tatort sonst noch gelehrt?

  • Wenn zwei sitzen, einer redet und die Kamera sich auf ihn konzentriert, schläft der andere.
  • Das unsagbar Böse/der Antichrist ist die Pharmaindustrie.
  • Es gibt auch heute noch Chefärzte mit Obersturmbandführer-Appeal.
  • Hab immer einen Zweitschlüssel für die Handschellen!

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Solide?

Ist solide automatisch langweilig? Der neue Borowski gibt die Antwort.

Das Drehbuch zu Borowski und der brennende Mann mag solide sein, aber der Fall war spannend – und irgendwie ein bisschen Mankell. Die dänische Kollegin, die ihn anhimmelt und trotzdem auflaufen lässt, gibt den nötigen Humor. Wäre nicht schlecht, wenn sie bei einem anderen Fall mal wieder auftaucht.

Axel Milberg ist einfach genial. Wie er seinem Kommissar gleichzeitig leichte Verschrobenheit und Würde verleiht, ist erste schauspielerische Sahne. Schöne Grüße an Till Schweiger. Aber auch die weiteren Rollen sind gut besetzt. Ich gestehe zu meiner Schande, dass dies mein erster Borowski mit Sarah Brandt (Sibel Kekilli) war. Und obwohl mir darum etwas Vorgeschichte fehlt, fand ich sie klasse.

Und so lautet die Antwort für mich: Nein, langweilig war dieser solide Tatort sicher nicht.

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Moin Falke

Das war sie also. Die zweite Hamburg-Tatort-Premiere in diesem Jahr. Bevor man mit den Vergleichen zum Schweiger-Tatort anfängt, sollte man aber erst mal den Feuerteufel selbst beurteilen.

Obwohl die Figur des Thorsten Falke knietief in Klischees watet, hat mir dieser neue Hamburger Kommissar gefallen. Ok, Sohn, den er nie sieht, Katze zu Hause, Hure mit Herz – das ist jetzt nichts wirklich überraschendes. Und ich bin auch schon gespannt, wann die offizielle Milch-Menge für diese Folge veröffentlicht wird. Und trotzdem – der Kerl hat was. In erster Linie einen großartigen Schauspieler, der im Tiefe verleiht. Wotan Wilke Möhring hat mit diesem Film mal allen gezeigt, wie das geht:

  • Rauhe Schale, weicher Kern – besser als Schweiger
  • Alter Grantler, der sich an junges Blut gewöhnen muss: Da können sich Wachtveitl und Nemec ne Scheibe abschneiden
  • Er kennt sich aus im Kiez – war da was in Berlin?

Die junge blonde Verstärkung, zuerst abgelehnt und schließlich doch akzeptiert. Petra Schmidt-Schaller muss sich noch deutlich steigern, um von der inneren wie physischen Kraft des WWM nicht wieder an die Wand gespielt zu werden.

Und erfreulicherweise ist eine weitere Nebenrolle ebenfalls hervorragend besetzt: Hamburg spielt mit. Nicht übertrieben, aber sichtbar. Tschiller hätte auch in jeder anderen Stadt rumballern können.

Der Fall war ok. So Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass die Tochter des Opfers am Tag zuvor gestorben ist, sollten Kommissare eigentlich ermitteln. Aber sind wir mal nicht zu pingelig.

Mein Fazit: Falke hat den größeren. Aber das hat Tschiller ja schon selbst festgestellt.

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Bye bye Conny Mey

Schade, dass Nina Kunzendorf schon so schnell wieder aufhört beim Frankfurter Tatort… Auch in der letzten Folge „Wer das Schweigen bricht“ konnten wir ihr wieder in gefühlten 4,6 km Gängen dabei zuschauen, wie sie läuft. Und in Großaufnahmen in ihrem Gesicht beobachten, wie sie denkt. Und vergnügt zuhören, wenn sie ihre Kollegen mehr oder weniger freundlich anraunzt: „Braucht ihr ne schriftliche Einladung?“

Das hört sich erst mal nicht abendfüllend an – aber ich werde sie wirklich vermissen. Denn im ruhigen, kalten, distanziertem Look der Frankfurter Fälle war sie das große Herz und die große Schnauze. Das Zusammenspiel mit Steier, der subtile Wechsel zwischen Sie und Du, und die absolut unsäglichen Klamotten…

Ach ja, und da war heute ja auch noch ein Fall zu klären. War gut, aber nicht wichtig.

Bye bye Conny Mey.

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TV ohne Zuschauer

Heute abend bin ich beim Zappen auf der Suche nach Abkühlung nach einem klasse Film (DVD Star Trek – der zweite Teil kommt im Mai ins Kino) bei der Harald Schmidt Show hängengeblieben. Ja, die gibt es noch. Doch im Gegensatz zu Roche & Böhmermann beweist Dirty Harry dabei, dass Fernsehen ohne Zuschauer nicht gut sein muss.

Das Standup am Beginn ist gewohnt bissig. Betonung auf gewohnt. Die Aktionen – unter anderem die Beerdigung der Kaffeemaschine, Telefonate mit arglosen Sky-Abonnenten zwecks Zufriedenheits-Befragung – plätschern dahin. Das Gespräch mit Fahri Yardim (Schweiger-Partner im neuen Hamburg-Tatort) unterhält – was aber eher Yardim zuzurechnen ist. Die Musik von den Delilahs ist nicht mein Geschmack. Der Auftritt wird abgewickelt…

Nichts desto trotz wurde eben erst gemeldet, dass Schmidt seinen Vertrag bei Sky um ein weiteres Jahr verlängert hat. Die Gründe dafür erschließen sich mir nicht. Schade, dass Schmidt seinen Freiraum nicht origineller füllt. Denn dass er sich im luftleeren Raum bewegt, ist ihm nur zu bewusst: „Der Saal ist egal? Würde ich so nicht sagen. Ich habe nur den Saal.“

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100 Jahre ZDF

„Die Richtung hat gestimmt.“ Aber nur beim Schuss auf die Torwand. Schon nach den ersten 45 Minuten der zweiten Jubiläumsshow, die sich ausschliesslich mit Wetten dass beschäftigten, waren es gefühlte 100 Jahre ZDF…

Das Staraufgebot lag im Altersschnitt nicht niederer als in der ersten Jubiläums-Show. Offensichtlich waren selbst verdiente ZDF-Arbeiter nicht grade Schlange nach einem Platz auf dem Sofa bei Illner gestanden. So musste die großartige Senta Berger (ihr Schlitz im Kleid war trotz ihrer 72 Jahre noch das Aufregendste in der Sendung) gleich zweimal einmarschieren – für die Familienserien und die großen Historienschinken…

Ich habe den ganzen Abend verzweifelt auf einen angetrunkenen Jan Böhmermann gewartet, der rumpöbelt. Aber nur ein Gläschen Sekt im Stehen auf die beliebteste Sendung in 50 Jahren ZDF sprang am Ende raus. Zwei Shows, gefühlte zehn Stunden Nostalgie und Selbstbeweihräucherung und am Ende: die heute-show.

Aber das kommt bei Abstimmungen im Internet halt raus. Wenn die eigentliche Zielgruppe des ZDF abstimmen sollte, wären Postkarten wohl der bessere Weg gewesen. Der Truppe um Welke gönn ich zwar jeden Preis, aber das setzte der Peinlichkeit das Sahnehäubchen auf.

Tja, das war wohl nix, ZDF. Bis zum 60. Jubiläum habt ihr ja noch Zeit zum Üben.

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50 Jahre ZDF

Ich bin immer noch unentschlossen.

War der erste Teil der ZDF-Jubiläumsshow nun nette, nostalgische Unterhaltung für alle, die ihre Fernsehhelden der Jugend wiedersehen konnten. Oder doch eher ein entwürdigendes Mumienschubsen von Heck über Rauch bis Gärtner. Eins ist auf alle Fälle unstrittig: Nachwuchs Fehlanzeige.

Und noch eine Erkenntnis brachte der Abend. Die Kompetenz beim deutschen Krimi liegt eindeutig nicht beim Zweiten. Auch mir ging es so: Kaum einen Tatort verpasst, aber völlig ratlos, was Walter Sittler in der Ermittler-Runde überhaupt zu suchen hat. Aber selbst die alten ZDF-Aushängeschilder Stumpf und Hoger konnten sich erst nach dem Einspieler an die Krimihelden im ZDF erinnern. Diese Peinlichkeit brachte doch wenigstens unfreiwillige Komik in den Abend.

Maybrit Illner tat gut daran bei ihren Leisten zu bleiben: Keine Gala-Robe, kein Showauftritt. Dafür selbst in unübersichtlichen Runden recht gute Gesprächsführung mit Sinn für die Absurdität mancher Situation.

Fazit? Obwohl ich mich vor dem zweiten Teil schon fürchte – Wetten dass von Elstner bis LanzLanzLanz ist angekündigt – werde ich wohl doch reingucken…

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