Nach langer Zeit mal wieder ein Tatort-Blogeintrag, „Vielleicht“ hat es verdient.

Nachdem im Februar diesen Jahres Dominic Raacke als Hauptkommissar Till Ritter seinen letzten Fall abgespult hat, ohne das sein Ausscheiden dabei eine Rolle gespielt hat, bleibt für die letzte Folge vom alten Berliner Team nur noch Boris Aljinovic übrig. Bisher war er immer der ruhigere Part des Duos. Interessant, wie er allein weitermacht.

Das neue Setting wird nicht weiter erklärt: Felix Stark leitet ein Team von mehreren jüngeren Kommissaren und wird mit einem höchst mysteriösen Fall konfrontiert. Eine junge Norwegerin, Trude, kommt ins LKA und berichtet über ihre Vorahnungen. Ein Mord wird geschehen. Das Opfer soll eine flüchtige Bekannte von Trude sein. Die Polizisten reagieren wie immer, wenn ein vermeintliches Medium Informationen anbietet. Sie bleiben freundlich, aber glauben ihr kein Wort.

Als dann aber tatsächlich der Mord wie prognostiziert geschieht und den Ermittlern klar wird, dass Trude ihnen die Wahrheit gesagt hat, nimmt der Film Fahrt auf. Dabei bleiben die Bilder immer ruhig, auch die Musik bringt keine Hektik – nur Spannung. Beeindruckend ist dabei das Spiel von Olsen Lise Risom, die die Trude eindringlich aber wahrhaftig erscheinen lässt. Was sie an Emotionen in ihren Blick legt, besonders in den Szenen mit Aljinovic, gehört zum Besten, was der Tatort in den letzten Monaten zustande gebracht hat.

Die Kette der Ereignisse führt mit unausweichlicher Präzession auf das von Trude vorhergesagte Ende zu: Stark liegt am Boden und es gibt viel Blut. Die Geschichte entwickelt sich bis dahin so schnell, dass der Zuschauer keine Gelegenheit hat, vorauszuahnen, wie alles zusammenhängt.

Das Ende bleibt ein „Vielleicht“. Ein würdiger Abschluss für einen ruhigen Kommissar.

Schöner für den wöchentlichen Tatort-Betrieb wäre es aber, wenn für richtig gute Bücher nicht immer Stammpersonal ins Gras beissen müsste. Und der letzte vom alten Berliner Team macht das Licht aus…

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