Frau Schuster

Monat: März 2014

So muss convenience

Lange Zeit verstand man unter convenience ja hauptsächlich Maggi-Fix Beutel oder Fertiggerichte. Kaum selber kochen, genormte Würzung dazu, am besten mit der gleichen Menge Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern, die der Körper vom Fastfood schon gewohnt ist. Das ist nicht mein Ding. Selber frische Zutaten zu herrlichen Speisen zubereiten, beim Einkauf nicht von Pontius zu Pilatus rennen und am Ende keine angebrochenen Packungen entsorgen – das muss doch drin sein. Ist es.

Ich bin ja – dank des Gaumenverführers – seit einiger Zeit großer Fan des Kochhauses. Nach guten Erfahrungen mit u.a. Farfalle in Avocado-Creme, Rinderfilet mit Kartoffelsoufflee und Bohnen oder Quark-Gratin mit Orangen (ja, das hat alles genau so gut geschmeckt, wie es sich anhört!) war heute Hähnchenbrust in Mandelcurry mit Vichy-Karotten und Polenta dran. Das Entsetzliche daran: Es gibt kein schönes Bild eines adrett herausgeputzten Tellers! Die Mahlzeit ist zu 3/4 vorbereitet und wird morgen in der Mittagspause fertiggestellt und dann hoffentlich genüsslich verspachtelt.

Der Spaß beginnt beim Einkaufen. Das Kochhaus Schwabing ist nur zwei Tram-Stationen von mir zu Hause entfernt, also ideal um immer mal wieder vorbei zuschauen, welches der Gerichte einen grade am meisten anlacht. Jedes Rezept wird auf einem eigenen Tisch präsentiert. Darauf alle Zutaten für 2 oder 4 Personen fein säuberlich abgepackt und griffbereit. Frische Ware wird in kleinen Kühltruhen direkt am jeweiligen Tisch gelagert. Die Lebensmittel sind meistens bio und nach meinen Erfahrungen durchweg von sehr guter Qualität. Besonders das Fleisch war erste Sahne. Das merkt man beim Preis. Aber lieber seltener und dafür so hochwertige Ware gekauft! In der Mitte jedes Warentisches prangt das Herz des Ganzen: Das Rezeptkärtchen. Das wird auf A4 aufgeklappt und zeigt Schritt für Schritt die Zubereitung.

Das hört sich jetzt alles recht nüchtern an, wird aber stark belebt durch das Drumherum. Und das kann einen Kochbegeisterten ganz schön arm machen: Kochbücher, Gewürze, Öle, Küchenhelfer, Frühstücksbrettchen, Süßkram der edelsten Sorte, Eis, Topflappen, Brot, Kräuterhäcksler und nicht zu vergessen ausgewählte Weine. Zu jedem Rezept gibt es auch eine Weinempfehlung. Und jedesmal, wenn ich bisher der Versuchung nicht widerstanden habe, waren die Tropfen erstens hervorragend und zweitens perfekt zum Gericht.

Das Personal ist super freundlich und auch bei Fragen zur Zubereitung kompetent. Dazu noch leichte Musik und einen eigenen Imbiss mit hausgemachten Leckereien: ein Traum. Zumindest mein Traum.

Hat man sich dann entschieden, packt die benötigten Zutaten in die braune Papiertüte, zahlt (natürlich nur die Zutaten, die man wirklich braucht – aber es gibt wohl Haushalte, bei denen Butter, Eier oder Knoblauch nicht zum Standardrepertoire gehört). Und ab gehts nach Hause.

Tüte auspacken, alles bereit legen und zweimal – ja definitiv zweimal – die Anleitung genau durchlesen. Bei mir geht der Rest dann meistens von selbst. Die Zubereitungsarten sind nicht schwer, die Abläufe meistens so, wie ich sie ohne Vorgabe auch tun würde. Zwischendurch kurz gespickt, ob ich auch nix vergessen habe und nach durchschnittlich einer halben Stunde Kochspaß beginnt der dritte Akt. Essen. Genüsslich und meist mit der richtigen Mischung aus Selbstkritik und Stolz. Stolz kann man sein, den die Gerichte gelingen eigentlich immer, wenn man sich an die Vorgaben hält und gleichzeitig seinen Kochverstand einschaltet. Kritisch beäuge und schmecke ich aber auch jede Speise, ob es noch Optimierungsmöglichkeiten gibt.

Und jedem, dem jetzt das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, kann ich nur einen Besuch im Kochhaus empfehlen. Es gibt zum gleichen Preis auch einen Lieferservice, aber ohne das Feeling vor Ort fehlt einem sicher ein Stückchen zum kompletten Erlebnis.

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