Lang erwartet, kritisch beäugt, endlich ist er da, der Weimar-Tatort mit Nora Tschirner und Christian Ulmen. Und egal, was die Kritiker zu nörgeln hatten: Ich habe mich amüsiert. Punkt.

In den Rezensionen war viel zu lesen, ob das den ein „richtiger Tatort“ gewesen sei. Wäre doch viel zu viel Tschirner/Ulmen wie halt immer Tschirner/Ulmen gewesen. Ich halte diese Überlegungen für Unsinn. Was ist den schon ein richtiger Tatort? Was hat ein Fall aus Münster mit einem aus Frankfurt gemeinsam. Oder würde irgendwer Borowski und Tschiller über einen Kamm scheren? Jedes Tatort-Team ist besonders, hat seine Eigenheiten und genau das macht doch den Reiz der Reihe aus. Sonst gäbe es halt jeden Sonntag einen neuen Fall eines einzigen Kommissars. Und Tatort wäre plötzlich Barnaby. Nichts gegen Barnaby – es gibt für mich keinen beruhigenderen Krimi. Aber ob das die Hauptaufgabe eines Krimis ist: beruhigen?

Der erste Fall von Dorn und Lessing führt beide Charaktere witzig ein. Dem Lokalkolorit von Weimar wird im Hintergrund genüge getan, die Provinz schlägt erbarmungslos zu: Die hochschwangere Kommissarin kennt jeden und weiß über alles, was in dem Städtchen vorgeht, Bescheid. Nur wo die entführte Wurstfabrikantin Brigitte Hoppe ist, das weiß auch sie nicht. Drum wird ermittelt. Ulmen stolpert als Neuer aus Hamburg in die viel zu enge Kulisse der Kleinstadt Weimar und wird sofort auf das benötigte Kleinformat zurechtgestutzt: „Das ist kein Gold, das ist Messing, Lessing.“

Dorn schickt ihn vor und lässt ihn machen, im Zweifel mit einem Augenaufschlag und dem vorwurfsvollen Hinweis auf ihren gewaltigen Babybauch. Wie der Fall gelöst wird, gerät zur Nebensache, als das Geheimnis um Lessings Versetzung gelüftet wird: Er ist der Vater von Dorns Baby. Mit der abschließenden Bemerkung des Chefs, dass Privates und Dienstliches streng zu trennen sind, müsste die Vorlage in der nächsten Geschichte nur noch umgesetzt werden.

Entgegen der ursprünglichen Planung hat der MDR in der Zwischenzeit schon eine Fortsetzung für das Team aus Weimar drauflegt. Der schräge Humor vor touristischer Kleinstadt-Kulisse tut der Tatortreihe nur gut.

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