Frau Schuster

Monat: Juni 2013

Depri in Konschtanz

Letzte Tage, der Tatort aus Konstanz. Sorry, Konschtanz heißt es natürlich. Diesmal hat der Drehbuchautor Stefan Dähnert ziemlich viel reingepackt: Ein neuer schweizer Kollege, der die Blum (wieder einmal) auf die Palme und dann doch zum sinnlichen Schmunzeln bringt. Perlmann in der Midlifecrisis, inkl. Knutscherei mit Studentin. Und die ist außerdem noch krebskrank. Damit hätten wir auch schon den Zuckerguss: Selbsthilfegruppe, Pharmaforschung und ein niedlicher Junge mit Leukämie.

Eine Menge Holz für 90 Minuten. Und darum bleibt jeder Handlungsstrang etwas oberflächlich. Eva Mattes hat ihre Rolle mittlerweile so verinnerlicht, dass sie nicht mehr spielt. Sie schwebt durch die Szenen und irgendwie macht es trotzdem Spaß ihr dabei zuzuschauen. Prinzipiell frage ich mich bei den Konstanzern immer, wie man zu zweit erfolgreich ermitteln kann, wenn man nicht miteinander redet…

Der Schweizer (Roland Koch) gibt zu Beginn den undurchschaubaren Polizist mit dunkler Vergangenheit. Dass er sich schließlich aber gegen seine alten Kumpanen aus Geheimdienst und Pharmaindustrie stellt und sich auf Klara Blums Seite schlägt – Überraschungen sehen anders aus.

Sebastian Bezzel gibt den Perlmann routiniert. Sein Sturz in die dunkle Zone einer Midlifecrisis wirkt aber schon etwas konstruiert. Zuerst die Nörgelei über die Vorhersehbarkeit seines (Beamten-)Lebens, dann die Romanze mit der ebenso willigen wie abgedrehten Mia (Natalia Rudziewicz). Doch ach, das Herzchen gehört nicht nur zu den Verdächtigen, sie ist auch leukämiekrank. Echte Emotion kommt auch dann nicht rüber, als Perlmann die blutende Kleine im weißen Engelskleidchen (sie, nicht er) ins Krankenhaus trägt.  Mir schießt beim Anblick ihrer Pulswärmer eher durch den Kopf, ob sie nicht auch noch einen verunglückten Selbstmordversuch draufpacken wollen. Aber nein, Pulswärmer und Strumpfhose waren nur Test für die Continuity – leider nicht bestanden.

Was hat uns dieser Tatort sonst noch gelehrt?

  • Wenn zwei sitzen, einer redet und die Kamera sich auf ihn konzentriert, schläft der andere.
  • Das unsagbar Böse/der Antichrist ist die Pharmaindustrie.
  • Es gibt auch heute noch Chefärzte mit Obersturmbandführer-Appeal.
  • Hab immer einen Zweitschlüssel für die Handschellen!

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meet the meat

Als begeisterte Nutznießerin des harten Konkurrenzkampfs auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt, mache ich mich über jede Neuerscheinung – grade bei den Kochzeitschriften – her. Ein neues Werk „meet – and eat like a man“ hat nun Burda auf den Markt gebracht. Nur auf den ersten Blick besteht Verwechslungsgefahr mit Beef von G+J. Denn auch wenn Typo und großes Bild von krossem Fleisch auf dem Titel deutlich machen, wer da kopiert werden soll: Es ist nicht gelungen. Beef (von dem ich nebenbei gesagt viel halte) wagte als erstes die neue Zielgruppe „Mann in Küche und am Grill“ mit einem eigenen Heft zu beglücken. Und sie haben dabei alles richtig gemacht. Vom Papier, über den Umfang zum Layout bis hin zu den Rezepten und den grandiosen Bildstrecken um sie zu illustrieren. Habe ich schon erwähnt, dass ich viel von dem Heft halte?

Und nun meet. Zum Einführungspreis von 4,80 € (geplant sind 6,80 € für 100 Seiten) schiebt Burda eine schlechte Kopie auf den Markt: Das Layout ist nett, eher bieder. Ein bisschen gelb/schwarz und ein paar negativ gesetzte Sätze sind halt noch kein großer Wurf. Die Bilder sind ok, aber konventionell. Die Themen setzten ebenfalls auf den Standard: Burger, Warenkunde, ein bisschen Reise, ein paar Mädchen zum Illustrieren von Schokoladenrezepten… Gähn… So basteln sich die Offenburger die „Bild der Frau“ der Männerkochzeitschriften.

Nachdem Beef (hatte ich schon..?) offensichtlich voll eingeschlagen hat – der Erscheinungsrythmus wurde sogar erhöht), war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die anderen Verlage versuchen auf den Zug aufzuspringen. Burda springt zu kurz. Macht aber nix. Gibt ja immer noch Beef. Davon halte ich übrigens…

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