Ich bin wirklich unschlüssig.

Auf der einen Seite bewundere ich die Entscheidung von Angelina Jolie sich die Brüste prophylaktisch abnehmen zu lassen. So eine Entscheidung „ohne Not“ nur basierend auf Wahrscheinlichkeiten zu fällen, ist hart. Die Geschichte Ihrer Mutter, die nach zehn Jahren Kampf gegen den Brustkrebs schon mit 57 Jahren gestorben ist, ist sicherlich ausschlaggebend dafür, überhaupt auf den Gedanken zu kommen. Und dass sie die ganze Aktion im Nachhinein öffentlich gemacht hat, verdient größten Respekt.

Auf der anderen Seite bleibt Unbehagen. Zeugt es nicht von ungeheurer Härte gegen sich selbst, schon auf die Möglichkeit einer Erkrankung zu reagieren? Und wo hört das auf? Bei maximalinvasiver Prophylaxe. Und wann beginnt man damit? Wird der Gen-Test schon in der pränatalen Diagnostik angewandt, und ein Kind, das einen Gen-Deffekt in sich trägt, abgetrieben? Die ultimative Versicherung gegen Krankheit und Tod: Kein Leben.

Nachdem ich selbst schon Brustkrebs hinter mir habe, stelle ich mir selbst die Frage: Wenn es genetisch bedingter Krebs wäre: Was würde ich tun? Aus meiner Erfahrung muss ich sagen, dass eine OP sicher leichter zu ertragen ist, als eine Chemotherapie. Die Chemo war in meinem Fall ja auch nur zur Risiko-Senkung nach der OP. Ich habe keine Sekunde gezögert, das volle Programm durchzuziehen. Jeder Prozentpunkt weniger Risiko erleichtert mir persönlich den Umgang mit der Situation. Und die ist schon schwierig genug. Denn so richtig hinter sich hat man es nie… die Sorge bleibt. Und die bleibt auch bei Angelina Jolie. Fünf Prozent Risiko bleiben selbst nach diesem Eingriff.

 

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