Frau Schuster

Lesen. Nochmal lesen. Und nochmal.

Ich habe zum Thema Aneurysma und Hirnblutung eine enge persönliche Verbindung. Meine Mutter hat 2001 eine Hirnblutung erlitten, eine gute Freundin ist 2008 mit 42 Jahren an einem geplatzten Aneurysma gestorben. Ich selbst bekam 2010 die (Fehl-) Diagnose Hirn-Aneurysma. Erst 2013 hat sich das Damoklesschwert über meinem Kopf dank eines exakteren MRT aufgelöst. Aus dieser Situation heraus habe ich die Geschichte von Monika Lierhaus seit ihrer OP verfolgt. In letzter Zeit war es aber eher ruhig um sie geworden.

Als ich letzte Woche dann ersten empörten Kommentare las, konnte ich das Ganze zunächst nicht einordnen. Nun habe ich das Interview gelesen, ebenso einige Blog-Beiträge und Interviews der Kritiker.

Im Interview erzählt Lierhaus zusammen mit ihrer Mutter wie es ihr geht, wie sie die Zeit seit der OP erlebt hat.

Mir drängt sich beim Lesen nicht zuerst Mitleid ob ihrer gesundheitlichen Probleme auf. Im Gegenteil, in meinen Augen hat sie sich in bewundernswerter Weise zurück in ein selbstständiges, lebenswertes Leben gekämpft. Aber auch einem Kämpfer muss man zugestehen, dass er manchmal des Kampfes müde ist. Und nach meiner Interpretation ist Lierhaus grade an so einem Punkt in Ihrem Leben. Ihr gutes Recht, das auch öffentlich zum Ausdruck zu bringen.

Was ich persönlich aus dem Interview herauslese, ist vielmehr ein starker Perfektionismus und der unbedingte Wunsch, sich zu einem Leben „wie vorher“ zurückzukämpfen. Perfektionismus – so habe ich es in meinem Leben erfahren – macht einzig schlechte Laune. Man sieht nicht die 85 % Erfolg, sondern fokussiert sich auf die 15 %, die zum vermeintlichen Glück noch fehlen. Für Monika Lierhaus mag diese Einstellung bisher ein zuverlässiger Antrieb für noch mehr Therapie, Training und Kampf gewesen sein. Aber ich lese auch Ihren Worten – genau so wie denen ihrer Mutter – dass für sie nun die Zeit gekommen ist, einen Gang zurückzuschalten. Den Blick zu wenden und ihre eigenen Erfolge auch zu verinnerlichen. Es ist ein Unterschied, ob man laufen gelernt hat, oder auch tief innen weiß, dass man es kann und damit zufrieden ist.

Dieser Blick auf Monika Lierhaus und Ihr Interview ist mein persönlicher. Das ich gerade auf diese Aspekte des Textes anspreche, hängt mit meiner Persönlichkeit und meinen Erfahrungen im Leben zusammen.

So gesehen erklären sich auch die Aussagen von Julia Probst, Christiane Link und so vielen anderen. Sie lesen aus dem Satz „Ich glaube, ich würde es nicht mehr machen.“ eine Herabwürdigung und Geringschätzung von behindertem Leben heraus. Aus ihrer Sicht als unermüdliche Erklärerinnen von behindertem Leben macht das sogar Sinn. Verständlich dass sie ihre Aufklärungsarbeit durch den hohen Aufmerksamkeitswert von Monika Lierhaus gefährdet sehen. Ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen dagegen zusetzen ist ihr gutes Recht. Doch es ist nicht in Ordnung, wenn sie Lierhaus für etwas öffentlich und scharf kritisieren, was sie buchstäblich nie gesagt hat. Darum sollte jeder, der sich öffentlich zu dem Thema äußern will, zuerst das ursprüngliche Interview lesen. Nochmal lesen. Und nochmal. Und dann zuerst die eigenen Sicht hinterfragen.

Und wenn Monika Lierhaus ihre ehrliche Worte für sich behalten hätte? Hätte „der freitag“ Probst interviewt und ihr damit eine Plattform gegeben, um anschauliche Beispiele für die Diskriminierung von Behinderten durch Gesellschaft und Politik aufzuzeigen? Wohl kaum. Schade, denn so lenkt sie den Blick auf Probleme, die nicht-behinderten Menschen im Alltag kaum begegnen. Damit rüttelt sie die Öffentlichkeit auf und vielleicht bewirkt sie langfristig ein Umdenken. Dafür meine Bewunderung.

Nur diesmal war der Anlass nicht gerechtfertigt.
Der noch so gute Zweck heiligt nicht die Mittel.

 

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Warum eigentlich…

…poste ich auf Twitter ein Foto meiner Brustkrebs-Narbe?

Bisher habe ich meine Geschichte mit dem Brustkrebs zwar nicht direkt versteckt, bin damit in den sozialen Netzwerken aber auch nicht hausieren gegangen. Das nun ausgerechnet das eher harmlose #fotoprojekt2014 es geschafft hat, mich zum „Coming Out“ zu bewegen, hat mich selbst überrascht. Aber das Wochenthema „Mein Erzfeind/mein Kryptonit“ hat mir einfach keine Ruhe gelassen. Nachdem die ersten Assoziationen (Wecker, Lärm, Kuchen/Schokolade…) vorbei gezogen waren, blieb ein Gefühl: Mein Erzfeind, das kann nur der Brustkrebs – gewesen – sein.

Des Foto der Narbe und der Tweet waren schnell erstellt. Das Abschicken hat dann noch bis Sonntag Abend gedauert. Aber eigentlich ist es gut so. Ich habe den Sch… überstanden und hoffe, dass das so bleibt. Gehört eben zu mir. Privat und öffentlich.

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Der war vielleicht gut!

Nach langer Zeit mal wieder ein Tatort-Blogeintrag, „Vielleicht“ hat es verdient.

Nachdem im Februar diesen Jahres Dominic Raacke als Hauptkommissar Till Ritter seinen letzten Fall abgespult hat, ohne das sein Ausscheiden dabei eine Rolle gespielt hat, bleibt für die letzte Folge vom alten Berliner Team nur noch Boris Aljinovic übrig. Bisher war er immer der ruhigere Part des Duos. Interessant, wie er allein weitermacht.

Das neue Setting wird nicht weiter erklärt: Felix Stark leitet ein Team von mehreren jüngeren Kommissaren und wird mit einem höchst mysteriösen Fall konfrontiert. Eine junge Norwegerin, Trude, kommt ins LKA und berichtet über ihre Vorahnungen. Ein Mord wird geschehen. Das Opfer soll eine flüchtige Bekannte von Trude sein. Die Polizisten reagieren wie immer, wenn ein vermeintliches Medium Informationen anbietet. Sie bleiben freundlich, aber glauben ihr kein Wort.

Als dann aber tatsächlich der Mord wie prognostiziert geschieht und den Ermittlern klar wird, dass Trude ihnen die Wahrheit gesagt hat, nimmt der Film Fahrt auf. Dabei bleiben die Bilder immer ruhig, auch die Musik bringt keine Hektik – nur Spannung. Beeindruckend ist dabei das Spiel von Olsen Lise Risom, die die Trude eindringlich aber wahrhaftig erscheinen lässt. Was sie an Emotionen in ihren Blick legt, besonders in den Szenen mit Aljinovic, gehört zum Besten, was der Tatort in den letzten Monaten zustande gebracht hat.

Die Kette der Ereignisse führt mit unausweichlicher Präzession auf das von Trude vorhergesagte Ende zu: Stark liegt am Boden und es gibt viel Blut. Die Geschichte entwickelt sich bis dahin so schnell, dass der Zuschauer keine Gelegenheit hat, vorauszuahnen, wie alles zusammenhängt.

Das Ende bleibt ein „Vielleicht“. Ein würdiger Abschluss für einen ruhigen Kommissar.

Schöner für den wöchentlichen Tatort-Betrieb wäre es aber, wenn für richtig gute Bücher nicht immer Stammpersonal ins Gras beissen müsste. Und der letzte vom alten Berliner Team macht das Licht aus…

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So muss convenience

Lange Zeit verstand man unter convenience ja hauptsächlich Maggi-Fix Beutel oder Fertiggerichte. Kaum selber kochen, genormte Würzung dazu, am besten mit der gleichen Menge Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern, die der Körper vom Fastfood schon gewohnt ist. Das ist nicht mein Ding. Selber frische Zutaten zu herrlichen Speisen zubereiten, beim Einkauf nicht von Pontius zu Pilatus rennen und am Ende keine angebrochenen Packungen entsorgen – das muss doch drin sein. Ist es.

Ich bin ja – dank des Gaumenverführers – seit einiger Zeit großer Fan des Kochhauses. Nach guten Erfahrungen mit u.a. Farfalle in Avocado-Creme, Rinderfilet mit Kartoffelsoufflee und Bohnen oder Quark-Gratin mit Orangen (ja, das hat alles genau so gut geschmeckt, wie es sich anhört!) war heute Hähnchenbrust in Mandelcurry mit Vichy-Karotten und Polenta dran. Das Entsetzliche daran: Es gibt kein schönes Bild eines adrett herausgeputzten Tellers! Die Mahlzeit ist zu 3/4 vorbereitet und wird morgen in der Mittagspause fertiggestellt und dann hoffentlich genüsslich verspachtelt.

Der Spaß beginnt beim Einkaufen. Das Kochhaus Schwabing ist nur zwei Tram-Stationen von mir zu Hause entfernt, also ideal um immer mal wieder vorbei zuschauen, welches der Gerichte einen grade am meisten anlacht. Jedes Rezept wird auf einem eigenen Tisch präsentiert. Darauf alle Zutaten für 2 oder 4 Personen fein säuberlich abgepackt und griffbereit. Frische Ware wird in kleinen Kühltruhen direkt am jeweiligen Tisch gelagert. Die Lebensmittel sind meistens bio und nach meinen Erfahrungen durchweg von sehr guter Qualität. Besonders das Fleisch war erste Sahne. Das merkt man beim Preis. Aber lieber seltener und dafür so hochwertige Ware gekauft! In der Mitte jedes Warentisches prangt das Herz des Ganzen: Das Rezeptkärtchen. Das wird auf A4 aufgeklappt und zeigt Schritt für Schritt die Zubereitung.

Das hört sich jetzt alles recht nüchtern an, wird aber stark belebt durch das Drumherum. Und das kann einen Kochbegeisterten ganz schön arm machen: Kochbücher, Gewürze, Öle, Küchenhelfer, Frühstücksbrettchen, Süßkram der edelsten Sorte, Eis, Topflappen, Brot, Kräuterhäcksler und nicht zu vergessen ausgewählte Weine. Zu jedem Rezept gibt es auch eine Weinempfehlung. Und jedesmal, wenn ich bisher der Versuchung nicht widerstanden habe, waren die Tropfen erstens hervorragend und zweitens perfekt zum Gericht.

Das Personal ist super freundlich und auch bei Fragen zur Zubereitung kompetent. Dazu noch leichte Musik und einen eigenen Imbiss mit hausgemachten Leckereien: ein Traum. Zumindest mein Traum.

Hat man sich dann entschieden, packt die benötigten Zutaten in die braune Papiertüte, zahlt (natürlich nur die Zutaten, die man wirklich braucht – aber es gibt wohl Haushalte, bei denen Butter, Eier oder Knoblauch nicht zum Standardrepertoire gehört). Und ab gehts nach Hause.

Tüte auspacken, alles bereit legen und zweimal – ja definitiv zweimal – die Anleitung genau durchlesen. Bei mir geht der Rest dann meistens von selbst. Die Zubereitungsarten sind nicht schwer, die Abläufe meistens so, wie ich sie ohne Vorgabe auch tun würde. Zwischendurch kurz gespickt, ob ich auch nix vergessen habe und nach durchschnittlich einer halben Stunde Kochspaß beginnt der dritte Akt. Essen. Genüsslich und meist mit der richtigen Mischung aus Selbstkritik und Stolz. Stolz kann man sein, den die Gerichte gelingen eigentlich immer, wenn man sich an die Vorgaben hält und gleichzeitig seinen Kochverstand einschaltet. Kritisch beäuge und schmecke ich aber auch jede Speise, ob es noch Optimierungsmöglichkeiten gibt.

Und jedem, dem jetzt das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, kann ich nur einen Besuch im Kochhaus empfehlen. Es gibt zum gleichen Preis auch einen Lieferservice, aber ohne das Feeling vor Ort fehlt einem sicher ein Stückchen zum kompletten Erlebnis.

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Himbeere!

One day baby, we’ll be old
Oh baby, we’ll be old
And think of all the stories that we could have told

Dumm gelaufen, dass der Soundtrack dieses Tatorts „Brüder“ aus Bremen zwischen Produktion und Sendetermin dank Youtube und Julia Engelmann verbrannt ist. Und alt wird sie ja nicht, die jungen Polizistin, die durch Zufall zwischen die Fronten gerät. Ein Familienclan des organisierten Verbrechens – wunderbar brutal-gruselig Dar Salim – gegen einen Polizisten, der im entscheidenden Moment die Hosen voll hat.

Und während die Kollegen auf dem Revier nur mobben, ermitteln Lürsen und Steedefreund an diesen beiden Fronten. So werden verschiedene Geschichten in diesen Fall gepackt. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Feigheit, Rache, und was mir auffällt: Die Geschichte von Frauen als Dekoration oder gar noch weniger als das. Denn seine protzige Uhr legt der Schläger sorgfältig beiseite, bevor er seine Pseudo-Ehefrau gefügig macht.

Der Fall wird gelöst, der/das Böse gestellt und getötet und doch bleibt ein schaler Nachgeschmack. Der verlorene Sohn nimmt seine Stellung als Chef des Clans ein und knüpft nahtlos an die Verbrechen seines Bruders an. Und die Polizei? Lässt ihn gewähren. Wenn man das zu Ende denkt, wird’s einem erst richtig kalt…

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Bye bye blackbird

Ich schreibe ja gern über den Tatort. Wenn die Geschichten spannend sind und mich irgendwie packen. Vielleicht auch weil die Darsteller oder Kameraführung außergewöhnlich waren. Oder weil ein neue Team am Start ist oder ein Schauspieler aussteigt.

Aber „Großer schwarzer Vogel“ wird nicht mal dadurch erwähnenswert, dass es der letzte Fall von Dominic Racke als Till Ritter war. Der Fall dümpelt an der Grenze zur Langeweile dahin. Jeder, der schon mal einen Krimi gesehen hat, weiß innerhalb kürzester Zeit, dass das Opfer doch eindeutig Dreck am Stecken hat. Der Abschied von Ritter wird nicht thematisiert. Vielleicht ja im nächsten Fall aus Berlin. Boris Aljinovic will danach auch aufhören. Meine Trauer darüber hält sich in Grenzen. Meret Becker und Mark Wasche stehen für 2015 schon in den Startlöchern. Neue Berliner, neues Glück!

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Tschüss Franziska

Zweimal Tatort an einem Abend? Altersfreigabe ab 16?

Kann man machen. Und hier war es sehr gut gemacht. Immerhin hat es schon lange Zeit kein Tatort mehr geschafft, dass ich danach nicht gut geschlafen hab.

Die Story beginnt zunächst schlicht.  Franziska, die Assistentin von Ballauf und Schenk, arbeitet ehrenamtlich als Bewährungshelferin und besucht ihren Schützling in der JVA. Das dort, während sie die zahlreichen Sicherheitsschleusen passiert, gerade ein Mord geschieht, sieht zunächst nach einem Zufall aus. Kehl, der Häftling, der Franziska zugeteilt wurde, soll bald entlassen werden. Mord und Vergewaltigung liegen scheinbar weit hinter ihm, man hält ihn für einen Guten, zumindest Geläuterten. Selbst als er den Alarm nach dem Auffinden des Mordopfers nutzt, um Franziska als Geisel zu nehmen, wirkt er zuerst wie das verängstigte Opfer einer Intrige. Und die Situation, die sich daraus entwickelt, bleibt trotz aller Dramatik auch erst einmal vertraut. Zu oft hat man schon eine derartige Geiselnahme serviert bekommen. Und bisher immer mit dem wohligen Gefühl, dass nach 90 Minuten doch immer alles wieder gut sein wird. So kann man sich als Zuschauer entspannt fürchten. Diesen sicheren Boden zieht uns Drehbuchautor Jürgen Werner bei „Franziska“ unter den Füßen weg. Die Ausstiegsgerüchte um Tessa Mittelstaedt hatten ja die Runde schon gemacht. Und so wächst bei mir die Erkenntnis „Wow, das könnte übel ausgehen“ im gleichen Maße, wie sich die Schlinge enger und enger um Franziskas Hals zieht. Die beiden Hauptdarsteller dieses Tatorts, als Geisel Tessa Mittelstadt und als Geiselnehmer Hinnerk Schönemann liefern dabei ein Kammerspiel aller erster Güte ab. Die winzigen und riesigen Verschiebungen im Machtgefüge, die kleinen Erkenntnisse, das man sich im Anderen geirrt haben könnte und welche Konsequenzen das haben wird – das alles stellen die beiden mit Blicken und Körperhaltung so realistisch dar, das die Beklemmung spürbar wird.

Und ich leide mit: Frage mich, warum hat sie nicht… Wie zur Beruhigung sucht man Unglaubwürdigkeiten oder Fehlern in der Geschichte. Warum hat sie nach ihrem Angriff auf Kehl nicht einfach die Jalousie geöffnet, über das versteckte Mikro Infos an das SEK gegeben und die den Rest machen lassen? Weil bestimmt jeder, ganz sicher aber jede Frau in so einer Situation sich zuerst selbst helfen will. Der Fall außenrum hat bestimmt die paar Zufälle, von denen jede Tatort-Story lebt. Aber die Geiselnahme ist schlüssig und konsequent inszeniert. Auch wenn uns als Zuschauern die Konsequenz nicht gefällt.

Zu den restlichen schauspielerischen Leistungen bleibt nicht viel zu sagen: Die beiden Kommissare mit ihrem üblichen Leutchen drumherum wickeln den Fall professionell ab. Die räumliche Enge – unterstützt durch eine Kameraführung, die die Tristesse der Umgebung nie vergessen lässt, bilden den deprimierenden Hintergrund für die Darsteller. Der Humor beschränkt sich auf eine wohldosierte Prise: A wie Arschloch. Ganz ohne kauft man den Kölnern nicht ab, zuviel hätte die Bedrohung ihrer Kollegin relativiert. Die wohl typische Kölner Aufgeregtheit mildert Behrendt zuerst noch mit einem „Is aber doch wahr!“ ab. Später steigt der Paniklevel selbst bei Bär sichtbar. Als winziges Trostpflaster für die über sieben Millionen Zuschauer gibt es nach Franziskas Tod die Verhaftung des korrupten JVA-Beamten, durch dessen Ausbruchshilfe die ganze Sache doch irgendwie ins Rollen kam. Und zum Schluss bleibt den Kommisaren nur noch den Schreibtisch von Franziska zu räumen. Ein statthaftes Ende für diese Geschichte.

 

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Mensch, Steier

Nach dem Ausstieg von Nina Kunzendorf als Conny Mey aus dem Frankfurter Tatort schaut man gespannt auf Kommissar Steier und sieht es kommen: Sein Weg führt abwärts. Ein ungutes Gefühl in der Magengrube verbietet jeden Gedanken an ein wie auch immer geartetes Happy-End.

Die Geschichte um den Mord an einem ungeliebten Lehrer ist eher durchschnittliche Tatort-Kost: Der neue junge Freund von Steiers Ex-Frau trägt ja schon in seiner ersten Szene ein Schild um den Hals: „Hasch mich, ich bin der Mörder“. Und wie so oft erklärt der Krimi nur noch das wie und warum. Was die Geschichte mit den Alien-Kreuzungen sollte, hat sich mir persönlich nicht erschlossen, hat aber auch nicht weiter gestört. (Puh, das ist ein ähnlich vernichtender Satz wie „Immerhin schöne Landschaftsaufnahmen waren dabei“…)

Was aus der Story trotzdem einen bemerkenswerten Tatort macht ist Joachim Król. Wenn er den einsamen Frank Steier gibt, fühle ich mit. Sein Kampf mit dem Alkohol, die ruppige ja unverschämte Art, wie er seine neue Kollegin, na wie heisst sie doch gleich, anfährt und dabei doch nur wütend zu verhindern versucht, das alle seine Niederlagen mitbekommen – das ist großes Kino.

Und Niederlagen hat er in diesem Fall einige zu verdauen. Die Ex hat einen Neuen – jünger, viel jünger. Dank seines gewaltigen Filmrisses kann er sich nicht an den Mord im Park erinnern, den er doch eigentlich bezeugen soll. Und das „Mädchen“, das die Tat begangen hat, läuft ihm locker davon. Es soll noch einen letzten Frankfurter Fall mit Król geben. Sollte der auch ab 22 Uhr laufen – ich bin nicht sicher, ob ich ihn sehen will…

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Typisch Tatort?

Lang erwartet, kritisch beäugt, endlich ist er da, der Weimar-Tatort mit Nora Tschirner und Christian Ulmen. Und egal, was die Kritiker zu nörgeln hatten: Ich habe mich amüsiert. Punkt.

In den Rezensionen war viel zu lesen, ob das den ein „richtiger Tatort“ gewesen sei. Wäre doch viel zu viel Tschirner/Ulmen wie halt immer Tschirner/Ulmen gewesen. Ich halte diese Überlegungen für Unsinn. Was ist den schon ein richtiger Tatort? Was hat ein Fall aus Münster mit einem aus Frankfurt gemeinsam. Oder würde irgendwer Borowski und Tschiller über einen Kamm scheren? Jedes Tatort-Team ist besonders, hat seine Eigenheiten und genau das macht doch den Reiz der Reihe aus. Sonst gäbe es halt jeden Sonntag einen neuen Fall eines einzigen Kommissars. Und Tatort wäre plötzlich Barnaby. Nichts gegen Barnaby – es gibt für mich keinen beruhigenderen Krimi. Aber ob das die Hauptaufgabe eines Krimis ist: beruhigen?

Der erste Fall von Dorn und Lessing führt beide Charaktere witzig ein. Dem Lokalkolorit von Weimar wird im Hintergrund genüge getan, die Provinz schlägt erbarmungslos zu: Die hochschwangere Kommissarin kennt jeden und weiß über alles, was in dem Städtchen vorgeht, Bescheid. Nur wo die entführte Wurstfabrikantin Brigitte Hoppe ist, das weiß auch sie nicht. Drum wird ermittelt. Ulmen stolpert als Neuer aus Hamburg in die viel zu enge Kulisse der Kleinstadt Weimar und wird sofort auf das benötigte Kleinformat zurechtgestutzt: „Das ist kein Gold, das ist Messing, Lessing.“

Dorn schickt ihn vor und lässt ihn machen, im Zweifel mit einem Augenaufschlag und dem vorwurfsvollen Hinweis auf ihren gewaltigen Babybauch. Wie der Fall gelöst wird, gerät zur Nebensache, als das Geheimnis um Lessings Versetzung gelüftet wird: Er ist der Vater von Dorns Baby. Mit der abschließenden Bemerkung des Chefs, dass Privates und Dienstliches streng zu trennen sind, müsste die Vorlage in der nächsten Geschichte nur noch umgesetzt werden.

Entgegen der ursprünglichen Planung hat der MDR in der Zwischenzeit schon eine Fortsetzung für das Team aus Weimar drauflegt. Der schräge Humor vor touristischer Kleinstadt-Kulisse tut der Tatortreihe nur gut.

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